Bräutigam sagte im Liegen “Ja”

brautpaar-shutterstock

Standesbeamte und Priester haben die ein oder andere kuriose Geschichte zu erzählen, wenn es um das Thema „Hochzeit“ geht: Von nervösen Bräuten, die „den Falschen“ küssen, beinahe zerstörten Hochsteckfrisuren oder dem Bräutigam mit Schwächeanfall.

In Kärnten erinnerte sich der Klagenfurter Dompfarrer Peter Allmaier noch oft an eine besonders kuriose Trauung. “Als ich die entscheidende Frage gestellt habe, ist der Bräutigam plötzlich blass geworden und umgekippt. Die Braut hat sich natürlich sofort um ihn gekümmert und er ist dann auch innerhalb kürzester Zeit wieder zu sich gekommen. Er hat dann noch am Boden liegend ‘Ja’ gesagt.”

Bregenzer Hochzeitsüberraschung

Ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt hat sich eine Braut in Bregenz, die ihren völlig ahnungslosen Freund mit der Hochzeit überraschte. “So etwas wünsche ich keinem Kollegen”, machte der Bregenzer Standesbeamte Gerhard Rosemann deutlich. Den Bräutigam habe er sehr gut gekannt, “sonst hätte ich nie zugestimmt”.

Die Braut jedenfalls war sich ihrer Sache sicher und behielt recht. Ihren Zukünftigen holte sie einfach vom Büro ab, während die gesamte Hochzeitsgesellschaft wartete. An Ort und Stelle lag der festliche Anzug bereit und auch alles andere samt der nötigen Papiere hatte die heiratswillige Frau organisiert. Der Bräutigam musste nur noch “Ja” sagen, was er denn auch tat – allerdings nicht, ohne zuvor ein ausführliches Gespräch unter vier Augen mit dem Standesbeamten geführt zu haben.

Bei dieser kurzen Unterredung erfuhr Rosemann, dass der Mann seiner Angebeteten in der Vergangenheit bereits mehrmals einen Antrag gemacht hatte, den diese immer abgelehnt hatte. Erst als er angekündigt hatte, nie wieder den ersten Schritt zu tun, habe seine Freundin gedroht, dass “da schon noch einmal etwas kommen werde.” Einen “mordsmäßigen Auftritt” habe der Bräutigam schließlich auch noch gehabt, er sei mit tosendem Applaus von den Gästen empfangen worden. Und verheiratet seien beide noch heute, berichtete Rosemann.

Vom Scheidungstermin direkt ins Standesamt

In Mödling kam ein frisch geschiedenes Paar vom Bezirksgericht direkt aufs Standesamt zur Anmeldung ihrer Eheschließung, wunderte sich Amtsleiter Walter Schwinger. Die beiden hatten sich gerade voneinander scheiden lassen, wollten es aber sofort wieder rückgängig machen. Das war allerdings nicht möglich, weil die Scheidung bereits rechtskräftig war.

Standesbeamte küsst man nicht

Hoppalas passieren immer wieder rund um den Kuss nach dem Ja-Wort: Weil der Standesbeamte ein Paar nach dem Ringwechsel nicht dazu aufforderte, riefen Gäste “Küssen!” “Daraufhin hat die nervöse Braut den Standesbeamten – also mich – geküsst und ist dann erst auf den Fehler draufgekommen”, erzählte Schwinger.

Als ein Brautpaar in St. Pölten nach dem Ja-Wort ein wenig planlos dastand und der Standesbeamte sagte “Die Fotografin wartet auf den Kuss!”, meinte der junge Ehemann: “Wieso soll ich die Fotografin küssen?”

Mein Name ist Gruber

Überrascht haben die Standesbeamten in St. Pölten auch zwei Heiratswillige, die bei der Anmeldung zur Trauung auf die Frage “Wie wollen sie denn nach der Eheschließung heißen?” gleichzeitig den Familiennamen “Gruber” nannten – dabei führt oder führte keiner der beiden je diesen Namen.

Hochzeits-Locations und ihre Tücken

Paare können im angeblich schönsten Trauungssaal der Welt, dem Marmorsaal im Salzburger Schloss Mirabell, heiraten. “Früher flogen immer wieder einmal Tauben durch den Marmorsaal. Dies wurde aber durch den Einbau von Vogelnetzen bei den großen Fenstern des Saals nunmehr verhindert”, berichtete Franz Schefbaumer, der für das Standesamt zuständige Amtsleiter der Stadt.

Einmal seien bei einer Trauung Standesbeamtin und Brautpaar gleichermaßen erschrocken. Arbeiter hatten am Dach des Schlosses Ausbesserungs- und Reinigungsarbeiten vorgenommen und sich dabei auch den Kamin des Marmorsaals vorgenommen. Darum krachte mitten während der Zeremonie plötzlich mit viel Lärm der sich angesammelte Staub aus dem Kamin.

In Wien sind die Blumengärten Hirtschstetten noch vor Kahlenberg und Cobenzl die beliebtesten Hochzeits-Locations außerhalb der Standesämter, weiß Franziska Waldmann, Leiterin des Standesamts Landstraße. Rund 100 Paare jährlich kommen aus dem Ausland, um hier zu heiraten, vor allem Deutsche. Dafür lassen sich so manche Wiener bei ihr nach der Hochzeit in Las Vegas den Bund der Ehe bestätigen. Ein “Nein” sei Waldmann noch nicht untergekommen. Öfters kommt es hingegen vor, dass sich Paare im Vorfeld zerkrachen und vergessen, das Aufgebot wieder abzubestellen.

Offene Wägen & Brautfrisuren

Eine halbe Stunde musste auch der Dompfarrer von Sankt Stefan, Toni Faber, auf eine Braut warten. Diese war im offenen Wagen viel länger als erwartet unterwegs, da ein höheres Tempo die Frisur zerstört hätte. Und ohne Handy konnte sie auch nicht Bescheid geben. Der Bräutigam, übrigens ein früherer Priester, hatte schon befürchtete, dass seine Frau es sich doch überlegt habe. “Die ersten Gäste waren schon in Gefahr zu gehen, aber es sind doch alle geblieben bis sie endlich eingetroffen ist.”

Der Priester sei ja nicht dafür verantwortlich, wie lange ein Paar zusammenbleibt. “Aber es ist schon erschreckend, wie lange die Halbwertszeit einer Ehe manchmal ist, in einem Fall ganze vier Wochen”, bedauerte Faber. Dass es auch anders geht, hat ein Paar bewiesen, dessen Braut nicht mehr ganz taufrisch war, als sie ihr vor 60 Jahren im Steffl gegebenes Ehegelübde im Dom erneuerte. (APA/Red.)

Leave a Comment